Sternenkinder brauchen Lichtschulen von Tarika E. Hoffmann 

Vor anderthalb Jahren hörte ich erstmals von Anastasia, einer jungen Frau aus Russland, die in tiefer Verbundenheit mit der Natur in einer Höhle lebt und von Tieren umgebenden in der Taiga aufgewachsen sein soll. Ihre Geschichte liest sich für “zivilisierte “ Menschen recht märchenhaft, auch bleibt ein Hauch von Zweifel, da sie sich in all den Jahren noch nicht in der Öffentlichkeit gezeigt hat. 


Ihre kraftvollen Aussagen jedoch über die Mystik des Lebens seit Anbeginn, die Quellen des Seins in seiner Verwurzelung zu den Ahnen, das tiefe Wissen über menschliche Werte, ihre Visionen über Lebensformen, Kindererziehung und Schulwesen beleben im Leser längst verschüttete Ideen, Hoffnungen und Träume. Es berührt, wie sie durch die Kraft ihrer Worte den Glauben an eine besseren Zukunft in die Herzen pflanzt und in Menschen neue Hoffnung weckt. Ihre Gedanken entspringen einer tiefgründigen Essenz, die man zunächst eher intuitiv als verstandesmäßig erfasst.


Wladimir Megre, der Autor und russische Kaufmann, trifft Anastasia 1994, als er mit seinem Handelsschiff den Ob entlang fährt, um die anliegenden Dörfer mit notwendigen Gütern zu versorgen. Aus dieser Begegnung der beiden erwächst eine Liebe und wird später ein Sohn geboren. In einem der ersten Treffen regt Anastasia ihn dazu an, all seine Erfahrungen und die Begegnungen mit ihr aufzuschreiben. Seit dem sind sieben Bücher in russischer Sprache erschienen, von denen fünf ( „Anastasia“, „Die klingenden Zedern Russlands“, „Raum der Liebe“, „Schöpfung“, „Wer sind wir?“) vom Wega-Verlag ins Deutsche übersetzt wurden. 


So erfahren wir, dass Anastasia als kleines Mädchen ihre Eltern durch einen Blitzschlag verlor und Tiere der Taiga von diesem Zeitpunkt an ihren Schutz und ihre Versorgung übernahmen. Mutter Erde sie lehrte, sich von ihren Früchten zu ernähren und eine mächtige Energie beschützte sie in Gefahren. Ihr Groß- und Urgroßvater sorgten zudem aus gebührendem Abstand dafür, dass sie keine Not litt, denn wie Anastasias Eltern lag auch ihnen am Herzen, dass das Kind weiterhin in all seiner Ursprünglichkeit aufwachsen und in der Naturverbundenheit ihr Wissen entwickeln sollte. Obwohl Anastasia nie die Wälder der russischen Taiga verlassen hat, überrascht sie Wladimir mit genauen Kenntnissen um die gesellschaftlichen und politischen Gepflogenheiten der westlichen Welt. Dieses Wissen, das in Asien auch als “Akasha-Chronik” bekannt ist, konfrontiert Wladimir mit Tatsachen, die seine Wertvorstellungen und Ansichten über ein modernes, luxuriöses Leben auf eine harte Probe stellen.


Vor allem nach der Geburt seines Sohnes, den er gern in Moskau, in seiner Nähe gewusst hätte, gerät er in persönliche Grenzerfahrungen, die er durch Anastasia’s ursprünglichen und „naturbelassenen“ Umgang mit seinem Kind aushalten lernen muss. Vor allem bei Erziehungsfragen stoßen nicht nur zwei extreme „Welten“ sondern auch die unterschiedlichen Interessen von Mutter und Vater aufeinander. Gelingt es dem Leser, diese Darstellungen in ihrer Essenz zu verstehen, ohne sie mit der realen Übertragbarkeit in „seine“ Welt zu befrachten, eröffnet sich durch Anastasias Darlegungen ein zukunftsweisendes Feld für neue pädagogische Ansätze und Lebensformen mit Kindern.


So, wie in einer Eichel alle Informationen der zukünftigen Eiche liegen und aus einem Sonnenblumenkern auch keine Rose wächst, veranschaulicht Anastasia, dass in unseren Kindern, neben allen biologischen Vererbungsmerkmalen, auch all ihre Talente, Fähigkeiten als Samen bereits in ihnen liegen.
Sie vertritt die Auffassung, dass sich diese Anlagen dann optimal entfalten, wenn Kinder sich aus ihrer natürlichen Neugier heraus entwickeln und alles erproben und erfahren dürfen. So, wie ein Samen bei richtigen Bedingungen in der Erde ganz von selbst zu keimen beginnt, vertritt sie die Meinung, dass es eine natürliche innere Kraft gibt, die Wachstums- und Entwicklungsprozesse der Kinder lenkt. Alle Anlagen können sich jedoch nur dann entfalten, wenn das Lernen in einem freien, offenen Raum geschieht, in den Erwachsene nicht eingreifen sondern lediglich begleitend Hilfestellung leisten. 
Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie Widerstände eines stolzen Vaters, gegen all diese „hinterwäldlerischen“ Ansichten Sturm laufen. Megre schildert sehr offen und ehrlich seine inneren Kämpfe, die er in einem Für und Wieder um die Errungenschaften einer modernen Gesellschaft mit Anastasia ausficht. Doch in ihrer ruhigen und schlichten Art entkräftet viele seiner Argumente und zeigt ihm ihre „naturbelassenen“ Lösungen auf.


Um Wladimir Megre eine Vorstellung über Möglichkeiten ihrer Kindererziehung zu vermitteln, regt sie an, dass er den Akademiker Michail Petrowitsch Schetinin besuchen solle, der eine Waldschule in der Taiga leitet und Kindern das Lernen in einem bio-energetischen Feld ermöglicht. Als Wladimir Megre dort hinreist, erfährt er von dem Wissenschaftler, dass es „ein kollektives Gedächtnis gibt, das sowohl die Struktur des Kosmos wie auch jede seiner Lebensformen kennt“. (aus: „Raum der Liebe“ S. 148, Verlag Wega) und aus dem heraus alles Wissen zu den Kindern fließt, wenn sie offen dafür sind. In der Natur, im Einklang mit ihr, öffnet sich dieser Zugang und ermöglicht völlig andere Formen des Lernens. 
Schetinin steht auf dem Standpunkt, dass man „dem Kind auf keinen Fall sagen darf, du weißt dieses oder jenes nicht. Wenn ein Lehrer Unwissenheit seiner Schüler voraussetzt – und sei es auch nur in Gedanken – werden seine Schüler auch unwissend. Das wichtigste für einen Lehrer, der etwas zu erklären sucht,“ so sagt er, „ist eine Kontaktaufnahme zu den Schülern im Bereich der gemeinsamen Suche. Der Schüler sollte nicht auf den Lernvorgang an sich und schon gar nicht auf den Gedanken ‚Mein Lehrer weiß Bescheid’ konzentriert werden. Es zählt nur eine Mitarbeit der Gleichen. Und die Erkenntnis, die während der Lösung einer Aufgabe gewonnen wird, ist eigentlich kein neues Wissen, sondern das wiedererlangte vergessene Wissen. Die Erkenntnis ist die Nachwirkung eines Reflexbogens, einer stimulierenden Reaktion, die Pawlow mit den Worten ‚Notwendigkeit bringt die Lösung’ beschieb“. (aus: s.o.) 
In diesem Internat leben und lernen die Kinder in altersgemischten Gruppen und suchen sich Themen, an denen sie gemeinsamen arbeiten. Bei den Erkenntnisprozessen im Laufe dieser Erfahrungen liegt der Fokus auf der Verbindung zur Gegenwart und zu den Sorgen und Problemen der Mitmenschen. „Diese Kinder, die an einer Aufgabe arbeiten, tun das nicht für sich selbst, nicht für die Zensur, für die sie belohnt werden. Sie tun es für die anderen, denn sie sollen das gewonnene Wissen in wenigen Tagen an ihre Arbeitsgruppen weitergeben. Somit wird jeder für das Gelingen eines gemeinsamen Projektes mit verantwortlich. Jeder bringt sein Wissen in seine Gruppe ein, handelt aus dem Aspekt des Dienens heraus.“ (aus: s.o.) 
Die Erfahrungen in der Waldschule überzeugen Megre davon, dass der Lernerfolg bei einer starken Motivation wesentlich schneller verläuft und er beobachtet, dass die Kinder sich völlig selbständig organisieren, voneinander lernen und sich gegenseitig fördern. Mathematik wird z.B. bei der Berechnung eines Baues als „Nebenprodukt“, also als Zwischenstation auf dem Weg zu Erkenntnis gelernt.
„Eigentlich“, so Schetinin, „studieren sie eher den Menschen, der sich mit Mathematik befasst. Sie lernen die Seele die Wünsche, die Gedanken eines Menschen verstehen. Grundvoraussetzung dafür ist Offenheit. Deswegen sind Kränkungen und Beleidigungen aller Art zu meiden und dies bereits beim Wortgebrauch. So fehlen auch in der Umgangssprache Negativformulierungen wie „falsch“, da sie den Gedankenfluss verhindern. Das Negative, das Schlechte existiert nicht, also gibt es auch keine Begriffe dafür. Angenommen, Sie geraten in eine Sackgasse, da hilft Ihnen die Bemerkung ‚Sie sind am falschen Ort’ auch nicht weiter. Sie brauchen einen Wegweiser.“ (aus: s.o. Seite 149)


Megre fand über diesen Besuch in der Waldschule einen Zugang und mehr Vertrauen in Anastasias Erziehung. Doch letztendlich beweist sich jede Theorie erst in der Umsetzung! So erfährt der Leser im fünften Buch unter anderem, dass der nunmehr sechsjährige Sohn bereits umfangreiche Rechenaufgaben schneller im Kopf lösen kann, als sein Vater auf dem Taschenrechner. 
Als ich vor über einem Jahr von dieser Waldschule im „Raum der Liebe“ las, berührten mich diese Schilderungen zu tiefst. Lagen doch nicht nur eigene Schulzeiten sondern auch 23 Jahre Lehrtätigkeit und die Begleitung einer Tochter bis zum Abitur hinter mir. Erfahrungen, die mich auf vielschichtige Weise die Enge des bisherigen Bildungssystems hatten bewusst werden lassen. Sicher muss man in diesem Zusammenhang die Montesouri – und Waldorf- Schulen erwähnen, die schon immer sehr sensitiven, feinfühligen Kindern einen Lernraum boten. 
Doch zur Zeit wird in Fachkreisen davon ausgegangen, dass jetzt ausschließlich solche Kinder geboren werden. Sie werden als ADS- bzw. Indigo-Kinder bezeichnet und stellen unser Bildungssystem, bzw. die Institution Schule, vor enorme Herausforderungen. 
Es handelt sich um eine völlig neue Generation, die in diesen Kindern heranwächst. Sie bringen völlig andere Lernvoraussetzungen mit, sind in der Lage, Informationen aus diesem „kollektiven Gedächtnis“ zu empfangen und ganzheitlich erfassen. Entwicklungsstufen durchlaufen sie, im Vergleich zu den vorigen Generationen , wesentlich schneller und verfügen über eine starke Sensitivität, bisweilen sogar direkte Hellsichtigkeit oder parapsychologische Fähigkeiten. Sie haben ein gutes Gefühl bzw. eine Intuition für die Wahrheit und reagieren hypersensibel auf chemische Zusätze im Essen. Auch sind sie schwer dazu zu bringen, Dinge zu tun, die ihnen überflüssig oder unsinnig erscheinen. Aus diesem Grund haben sie oft Schwierigkeiten mit absoluten Autoritäten, denn sie „wissen“, "wer sie sind". Ihrem starken Selbstwertgefühl geben sie selbstbewusst Ausdruck. Schon als kleine Kinder überraschen sie durch eine Lebensweisheit, die sich später in stark philosophisches und spirituelles Interesse verwandelt. Ihre Auffassungsgabe erweist sich als überdurchschnittlich. Sie gehen wie selbstverständlich mit Technik und Computern um, sind sehr offen, wach und lernbereit und verfügen nicht selten über einen Intelligenzquotient um 130 ( Der Durchschnitt liegt bei 100). 


Erhalten diese wunderbaren Anlagen und Eigenschaften dieser Kinder nicht den entsprechenden Rahmen zur Entfaltung ihres kreativen Potentials, so kommt es aufgrund einer dauerhaften Unterforderung zu Symptomen wie ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom), Konzentrationsschwierigkeiten, Hyperaktivität, Unruhe, Ruhelosigkeit, Frustration, antisoziales, rebellisches und aggressives Verhalten. Und schaut man in die heutigen Schulen, so findet man in den unteren Klassen viele dieser Kinder. Spielraum für freien Unterricht und Binnendifferenzierung wurden in den letzten Jahren zunehmend weggekürzt, so dass Lehrer und Erzieher aus ihren alten Strukturen her handelnd, völlig überfordert und überlastet sind.
Hier wird deutlich, vor welcher unglaublichen gesellschafts- und bildungspolitischen Herausforderung wir stehen, denn diese neuen Kinder brauchen einen völlig anderen Nährboden für das Wachstum ihrer mitgebrachten Saat. Sie benötigen informierte Eltern, die mit der Lebendigkeit, Wachheit und überdurchschnittlichen Intelligenz ihrer Kinder angemessen und aufgeklärt umgehen können. Wir brauchen Ärzte, die auf die Hyperaktivität und das Genervtsein der überforderten Eltern nicht mit dämpfenden Medikamenten und herkömmlichen Diagnosen reagieren. Wir brauchen Lehrer und Erzieher, die bereit sind, sich dieser Veränderung auch im Bildungswesen zu stellen und zum Partner der Kinder zu werden, um sich auf ihre Sichtweisen einzulassen und von ihnen zu lernen. Und wir brauchen Politiker, die sich ihrer Verantwortung für diese junge Generation der Zukunft bewusst werden, sich offen und fördernd dieser Veränderung stellen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass gerade Finnland mit seiner weitläufigen Natur und Ursprünglichkeit in den letzten Jahren eine Bildungspolitik entwickelt hat, die Parallelen zu dem beschriebenen pädagogischen Modell in der Waldschule in Russland aufweist. Und vielleicht lässt es hoffen, dass zunehmend reformorientierte Pädagogen gerade nach Finnland reisen, um sich über diese pädagogischen Ansätze zu informieren. 


Doch es ist bereits fünf nach zwölf und an der Zeit, in Wahlkämpfen nicht länger von einer besseren Zukunft für die Jugend zu reden, sondern auch an der Basis damit zu beginnen, entsprechende Voraussetzungen dafür zu schaffen. Wir brauchen Schulpolitiker, die sich der Notwendigkeit einer Reform des herkömmlichen Schulsystems nicht nur vom grünen Tisch her öffnen, sondern bereit sind, auf die explodierenden Probleme im Umgang mit diesen Kindern innovativ und schnell zu reagieren. Wir brauchen eine zügige Vernetzung von bestehenden Interessengemeinschaften, Vereinen, Elterninitiativen, um vorhandene Erfahrungen und Beobachtungen aus diesen Gruppen zu tragfähigen neuen Konzeptionen zu entwickeln. Wir brauchen Modellschulen, in denen dieses neue Lernen zwischen Kindern und begleitenden Erwachsenen ohne Leistungsdruck erfahren, erforscht und geübt werden kann.


Sollte sich eine derartige Initiative von interessierten Menschen gründen wollen, gäbe es bereits zu einem erschwinglichen Preis ein altes Schulgebäude in „Licht“enberg zu kaufen, in dem sofort mit der Entwicklung bzw. Umsetzung neuer Konzeptionen begonnen werden könnte. Wer sich also ernsthaft für die Realisierung dieser Idee interessiert und in der Lage ist, sich dieser Aufgabe mit Idealismus, Liebe, Zeit, Kapital, Wissen oder anderen wunderbaren Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, der nehme bitte mit mir Kontakt auf:


Tarika E. Hoffmann
Tel.: 033474 - 38786
www.tarasuka.de


                                                                                                                                          

Top